Wasserkrise In Jordanien: Extreme Dürre Zwingt Das Königreich Zu Radikalen Notfallmaßnahmen
Jordanien steht im August 2026 vor einer beispiellosen ökologischen und logistischen Herausforderung. Als eines der wasserärmsten Länder der Welt führen anhaltende Hitzewellen, sinkende Grundwasserspiegel und eine veraltete Infrastruktur zu einer akuten Verknappung der Trinkwasserreserven. Die Regierung in Amman reagiert mit verschärften Rationierungsmaßnahmen und beschleunigt den Bau international geförderter Großprojekte.
| Indikator / Parameter | Aktueller Status (2026) |
|---|---|
| Verfügbarkeit pro Kopf | Unter 90 m³ pro Jahr (UN-Schwelle für extreme Knappheit: 500 m³) |
| Hauptursachen | Anhaltende Dürre, veraltete Rohrsysteme, hoher Bevölkerungsdruck |
| Netzverluste (Unaccounted Water) | Ca. 45–50 % durch Leckagen und unbefugte Entnahmen |
| Schlüsselprojekt | National Water Carrier Project (Entsalzung am Golf von Akaba) |
| Versorgungsrhythmus | Haushalte erhalten teils nur 12 bis 24 Stunden Wasser pro Woche |
Trockengefallene Brunnen und hoher Bevölkerungsdruck: Die Ursachen des Kollapses
Die Wasserkrise in Jordanien hat sich über Jahrzehnte aufgebaut und erreicht im Jahr 2026 einen kritischen Höhepunkt. Das Land verfügt über kaum natürliche Süßwasserquellen; der historische Jordan-Fluss ist durch jahrzehntelange Übernutzung auf einen Bruchteil seines ursprünglichen Volumens geschrumpft. Regionale Hitzeperioden und ausbleibende Niederschläge verringern die Erneuerungsrate der unterirdischen Aquifere drastisch.
Zusätzlich belastet der demografische Zuwachs die Kapazitäten der Wasserversorgung. Durch die Aufnahme von über einer Million syrischer Flüchtlinge in den vergangenen Jahren ist der Bedarf in den urbanen Zentren wie Amman, Irbid und Zarqa stark gestiegen. Erschwerend kommt hinzu, dass das staatliche Leitungsnetz an vielen Stellen marode ist: Fast die Hälfte des gepumpten Wassers geht durch Lecks verloren oder wird illegal abgezapft.
Rationierung im Alltag: Private Wassertanker als teurer Ausweg für die Bevölkerung
Für die jordanische Bevölkerung gehört der Wassermangel längst zum Alltag, doch die Einschränkungen im Sommer 2026 belasten die Haushalte extrem. Viele Familien erhalten nur noch an einem einzigen Tag in der Woche fließendes Wasser über das öffentliche Netz. Dieses Wasser muss in privaten Wassertanks auf den Hausdächern zwischengespeichert werden, um die verbleibenden Tage der Woche zu überstehen.
Reicht dieser Vorrat nicht aus, sind die Bürger gezwungen, teures Wasser von privaten Tankwagen-Betreibern zu kaufen. Dies stellt vor allem für einkommensschwache Haushalte eine erhebliche finanzielle Bürde dar. Auch die Landwirtschaft im Jordantal steht unter massivem Druck: Viele Landwirte müssen ihre Anbauflächen verkleinern oder auf weniger wasserintensive Nutzpflanzen umstellen, was die regionalen Lebensmittelpreise weiter nach oben treibt.
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Das Akaba-Amman-Projekt: Jordaniens Megaplan für die nachhaltige Wasserversorgung
Um den drohenden Kollaps der Wasserversorgung langfristig abzuwenden, setzt die jordanische Regierung auf das bisher größte Infrastrukturprojekt der Landesgeschichte: das National Water Carrier Project (Akaba-Amman-Wasserentsalzungs- und Transportprojekt). Das Vorhaben sieht vor, Wasser aus dem Roten Meer am Golf von Akaba zu entsalzen und über eine Pipeline-Strecke von mehr als 450 Kilometern nach Norden in die Hauptstadt Amman zu pumpen.
Unterstützt durch internationale Partner wie die Europäische Investitionsbank (EIB) und USAID soll das Multi-Milliarden-Dollar-Projekt schrittweise betriebsbereit gemacht werden, um ab den späten 2020er-Jahren jährlich hunderte Millionen Kubikmeter Trinkwasser bereitzustellen. Parallel dazu investiert das Ministerium für Wasser und Bewässerung verstärkt in die Sanierung des städtischen Rohrnetzes, um die hohen Verlustquoten dauerhaft zu senken.
